Versuch der Bodenseelängsquerung - Conny Prasser - Ultraswimmer
Conny Prasser ist eine Ultraschwimmerin, die im Eiswasser und Distanzen von über 40 km schwimmt.
Conny Prasser, Ultraswimmer, Ultraschwimmen, Ultraschwimmerin, Langdistantschwimmen, Eisschwimmen, Open Water, Germany, Saxony
50774
post-template-default,single,single-post,postid-50774,single-format-standard,theme-vigor,cookies-not-set,edgt-core-1.1.2,woocommerce-no-js,ajax_fade,page_not_loaded,,vigor child-child-ver-1.10.1528903271,vigor-ver-2.1.1, vertical_menu_with_scroll,smooth_scroll,wpb-js-composer js-comp-ver-4.12.1,vc_responsive

Versuch der Bodenseelängsquerung

Gemeinsam mit Bodenseequerung legten ich und mein Team als einzig möglichen Starttag während meines Slots den Samstag fest, denn an allen anderen Tagen war Regen, Sturm und Gewitter angesagt, was tatsächlich so eingetreten war. Vorhersagen für Windrichtung und Strömung konnten wir daher in unsere Entscheidung leider nicht einbinden.

Los gings gegen 7.30 Uhr im Strandbad Bodman. Die zwei Begleitboote sowie das Kajak hatten wir am Vorabend dort platziert. Mein Team und das Team der Bodenseequerung bestiegen die Boote und fuhren raus auf den See. Birgit brachte noch lecker Schmiere auf meine Haut auf. Die Luft war frisch und durch den Starkregen und Sturm an den vorangegangenen Tagen hatte sich der See extrem abgekühlt. 15,9 Grad zeigte das Wasserthermometer am Start an. Das war für mich kein Problem, denn ich wusste, spätestens im Obersee (ab km 18) würde das Wasser die 20-Grad-Grenze überschreiten, was tatsächlich auch so war. Die ersten 15 km spulte ich ohne Problem mit Schnitt von 3 km/h ab, alles lief super. Die ersten zwei Stunden waren Conny und Bernd im Kajak an meiner Seite. Das Team auf dem Begleitboot Delphia konnte sich so erstmal in Ruhe „einleben“. Die Lii als zweites Begleitboot fuhr ein bisschen vor, hielt herannahende Boote von uns ab, brauch die Wellen für uns und erkundete die Strömungsverhältnisse. Diese waren ab km 17 leider nicht auf unserer Seite, über die gesamten Seebreite erwartete uns ab Uhldingen eine heftige Gegenströmung, die mich nur noch mit 1,5 km/h vorankommen ließ. Björn kam zu mir ins Wasser und motivierte mich für ein paar km, Gas zu geben, was auch gelang, so dass wir die Fährlinie Meersburg-Konstanz nach ca. 9 Stunden ohne Probleme überqueren konnten. Ab da kam ich wieder in meinen Rhythmus und Conny und Bernd bestiegen wieder das Kajak, welches dann dicht neben mir fuhr. Dies erwies sich als äußerst angenehm, insbesondere auch für meine Verpflegung, die ich aller 30 min gereicht bekam (Prolong von Herbalife 24; Jelly Babies, Riegel und Gel).

In der 11. Stunde spürte ich einen stechenden Schmerz im rechten Oberarm. Ich dachte mir nichts weiter dabei, schließlich hatte ich mit Schmerzen gerechnet, wenngleich nicht schon so früh. Und so schwamm ich munter weiter, den rechten Arm bewegte ich unter Wasser jedoch mehr oder weniger nur noch in Schonhaltung, ein kraftvolles Abdrücken war nicht mehr möglich, was sich natürlich auf die Geschwindigkeit auswirkte. In jeder Pause machte ich Entspannungsübungen und eine kurze Selbstmassage. All das war sinnlos, da die Schmerzen – wie sich am nächsten Tag herausstellte – durch einen Muskelfaserriss entstanden waren. Daran hatte ich natürlich während des Schwimmens nicht gedacht – wie sollte man auch durch bloßes Schwimmen eine solche Verletzung erleiden?

Kurz danach fuhr auf einmal die Delphia nicht mit uns mehr mit. Ich fragte nach, Tobias sagte mir, dass sie hinten ein Klappergeräusch hören, was sie abklären wollten. So bekam ich zunächst nichts von dem Getriebeschaden mit. Auch als dann die Lii die Delphia an der Leine im Schlepptau an mir vorbeizog, habe ich mir nichts weiter gedacht – ok, dafür hatte ich ja zwei Begleitboote besorgt. Dann schleppt die Lii die Delphia halt mit nach Bregenz.

Dies funktionierte aber nicht lange gut, so dass man sich entschloss, die Lii nun als einziges Begleitboot zu nutzen und die Delphia in den nächstgelegenen Hafen zu schleppen. Während dieser Zeit blieben Conny und Bernd im Kajak bei mir und übernahmen die Observation. Für mich war das kein Problem, ich machte mir mehr Sorgen um die beiden, die eigentlich in dem unbequemen Kajak nicht stundenlang sitzen wollten, sondern nur in Phasen, wo es für mich schwierig werden würde. Durch diese Lösung konnte ich aber ungehindert weiter meine Züge durch den Bodensee pflügen. Irgendwann kam die Lii dann mit der gesamten Besatzung beider Boote wieder zu uns, Bernd und Conny waren erstmal erlöst. Die Lii war zwar für 11 Leute ausgelegt, aber dennoch war es wohl unheimlich eng. Es wurde zwischenzeitlich dunkel und ich hatte auch schon meine Beleuchtung angelegt. Die Lii war leider nicht in der Lage, ständig konstant neben mir zu fahren. So schwamm ich mal vor ihr, mal neben ihr und auch mal weit hinter ihr – und das bei absoluter Dunkelheit.  Besonders das Voranschwimmen war für mich äußerst unangenehm, da ich keine Orientierung hatte, wohin ich schwimmen sollte. Die genannten Lichter am Ufer, wo ich hin navigieren sollten, sah ich kaum. Und so orientierte ich mich am Mond, der aber natürlich auch wanderte. Schließlich fanden wir die Lösung, dass von der Lii aus ein Lichtkegel vor mir ins Wasser gezaubert wird, der mir die Schwimmrichtung vorgab. Das funktionierte dann ganz gut. Durch aufkommenden NO-Wind mit entsprechenden Wellen konnte aber auch die Lii den Kurs nicht halten, so dass wir ständig abgetrieben wurden. Und so wurden Bernd und Conny gegen 1.30 Uhr wieder geweckt, um mich wieder im Kajak zu begleiten und näher bei mir zu sein. Kurz darauf brach die Rudersteuerung vom Kajak und auch der zweite und letzte Motor der Lii fiel aus. Die Lii konnte von da an nur noch rückwärts fahren und das auch nur in Kreisen…

Ich versuchte, mich davon nicht beeindrucken zu lassen und schwamm immer weiter, wenngleich auch nicht immer Richtung Ziel. Aber wir kamen noch voran und das war das Wichtigste. Ich hoffte einfach, die Wellen und die Strömung würden irgendwann nachlassen, was ja nachts oft der Fall ist. Leider nicht in dieser Nacht. Die Wellen kamen immer mehr von vorn, und da ich praktisch nur noch mit einem Arm schwamm, sank die Geschwindigkeit immer mehr. Das kühle Wasser linderte zwar die Schmerzen etwas, aber ein Zug mit dem kaputten Arm war trotzdem nicht möglich.

Um 2 Uhr kamen die ersten Abbruchgedanken auf, die ich in der nächsten Pause gegenüber Bernd und Conny äußerte. Sie leiteten dies weiter ans Boot, wo die wachen Leute beratschlagten. Vermutlich rechnete zu diesem Zeitpunkt keiner mehr mit einem Finish. Dennoch spürten Oli, Björn und Tobias, dass mein Abbruchwille noch nicht ausgeprägt genug war und motivierten mich weiterzuschwimmen. Nach weiteren 30 min fragte ich Björn nach seiner ehrlichen Meinung. Er sagte mir, dass das Ziel aus seiner Sicht nicht mehr erreichbar sei, was wohl auch richtig war. Ich spürte, dass wir nicht mehr richtig vorankamen, wollte aber noch nicht abbrechen. Oli und die Skipper versicherten mir, dass wir noch Vortrieb machen, wenngleich auch wenig. Als die Wellen immer widerlicher wurden, äußerte ich in der nächsten Pause eine heftigeren Abbruchwunsch. Auch dieser wurde nicht gewährt. Insbesondere Tobias war in dieser Zeit ein weltmeisterlicher Motivator. Ich soll mich nochmal ernähren, innehalten, Kräfte sammeln und wieder loslegen. Gesagt getan, wenngleich auch mit Widerstand. Und so ging das noch 2-3mal während der nächsten Verpflegungspausen. Immer als ich kurz davor war, nach meiner Ankündigung das Boot auch wirklich zu berühren, nahm ich mir ein paar Sekunden Bedenkzeit, legte mich auf den Rücken. Als ich aber schließlich spürte, dass ich mit meinem Schwimmstil nicht mehr gegen die Wellen ankomme, diese mich stattdessen mehr oder weniger durch den See schleuderten, sah ich ein, dass dies keine 12-15 Stunden bis ins Ziel so weiter gehen konnte bzw. wir so das Ziel gar nicht erreichen würden. Und so stieg ich dann gegen 5 Uhr kurz vor Sonnenaufgang auf die Badeplattform der Lii, gönnte mir dort meine 5min Ruhe, Tobias setzte sich neben mich und umarmte mich stillschweigend. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit mir im Reinen, ich habe den widrigen Bedingungen 21,5 Stunden lang getrotzt und war noch nie im Leben zuvor 47 km am Stück geschwommen.

Später, als ich warm eingepackt vorn auf dem Boot lag, schossen natürlich die ersten Tränen. Conny umsorgte mich rührend. Es dauerte gefühlt ewig, bis wir im Rückwärtsgang mit Pirouetten den Hafen von Langenargen erreichten. Von den ganzen Manövern bekam ich aber nicht viel mit. Ich sammelte meine letzten Kräfte, um vom Boot zu steigen, einen Übergang in die Senkrechte ließ mein Kreislauf einfach noch nicht zu. Birgit hatte derweil ein Hotelzimmer im Seevital-Hotel organisiert, wo man mich erstmal hinbrachte. Leider war ein Abschied vom Team der Bodenseequerung, Mario und den Skippern der Lii unter diesen Umständen nicht möglich – sorry! Nach 1-2 Stunden war ich mehr oder weniger für die Fahrt im Auto nach Bodman bereit. Den Rest des Tages verbrachte ich im Bett 😊

Rückblickend war es ein wahres Abenteuer, bei dem wirklich alle, d.h. die beiden Skipper der Lii (Markus und Ulrich), das Team der Bodenseequerung (Oli, Carina und Thomas), Mario, und natürlich Tobias, Björn, Conny und Bernd sowie auch Birgit und Tine an Land, alles erdenklich Mögliche gegeben hatten, um das Bregenzer Ufer zu erreichen.

Die Bedingungen waren halt alles andere als optimal, hinzu kam schließlich meine Verletzung.

Ich danke allen für Ihre Unterstützung!

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.