Doppelte Bodensee-Breitenquerung als erste Frau
Conny Prasser ist eine Ultraschwimmerin, die im Eiswasser und Distanzen von über 40 km schwimmt.
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Doppelte Bodensee-Breitenquerung

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Die doppelte Bodenbreitenquerung sollte mein erstes Sommer-Highlight werden. Bislang hatte diese Distanz offiziell erst ein Mann (Thomas Treutler, in 7.28 h) erfolgreich absolviert. Sollte mir das Vorhaben gelinge, wäre ich somit die erste Frau, die sich in den Büchern der Organisation „Bodenseequerung“ für diese Strecke verewigen lassen kann.

 

Gleich der erste Tag meines Slots eignete sich zum Schwimmen und so gings am frühen Morgen des 26.6. los. Nachdem wir das Boot im Hafen von Langenargen zu Wasser gelassen hatten, fuhren wir zum Startpunkt nach Friedrichshafen. Pünktlich 8 Uhr sprang ich ins Wasser und schwamm ein paar Meter zum Start am Strand. Die Tröte von Oli gab mir das Startsignal.

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Die Bedingungen waren zu Beginn phantastisch. Der See lang spiegelglatt vor uns. Das Schwimmen fühlte sich sehr gut an, dennoch kam ich langsamer voran als erhofft. Bis km 6 betrugen die Kilometerzeiten inkl. möglichst kurzen Verpflegungsstopps zwischen 19 und 20 Minuten. Das zermürbte mich mental ganz schön, was sich leider auch auf meinen Schwimmstil auswirkte. Björn, mein Trainer (Swimcademy), schrieb mir zwar immer auf das Whiteboard, worauf ich zu achten habe (Frequenz, Zuglänge, Druckphase), aber das half nur für kurze Zeit. Irgendwann konnte er es wohl auch nicht länger mit ansehen und hüfte zu mir ins Wasser. So schwammen wir ein paar Kilometer gemeinsam nebeneinander gegen die immer stärker werdende Strömung an.

 

 

Die Kilometerzeiten stiegen dennoch auf bis zu 25 Minuten an. Kurz vor dem Zwischenziel auf Schweizer BQ-Conny_Prasser38Seite in Romanshorn peilte das Boot leider ein falsches Ziel an, wodurch ich unnötige Extrameter schwimmen musste. Auch dies ärgerte mich. So habe ich bis zur Halbzeit (11 km) 3.53 h benötigt. Mein insgeheim erhofftes Ziel von 7.27 h (schneller als Thomas) war wohl in weiter Ferne gerückt. Meine Betreuer glaubten sogar schon nicht mehr daran, dass ich unter 8 Stunden finishen würde…

 

Ich krabbelte über die Felsen an Land, wimmelte schnell ein Gespräch von Zuschauern ab („Ich muss schnell wieder rüber!“) und nach weniger als einer Minute trat ich den Rückweg an.

 

Ich hoffte nun auf etwas Rückenströmung, die ich glücklicherweise auch erhalten habe. So schwamm es sich zügig bis zur Mitte des Sees, wo dann doch etwas Wind und Wellen aufkamen, was das Schwimmen erschwerte. Hinzu kam, dass ich auf dem gesamten Rückweg Abgase von den Booten in der Nase hatte. Auch das Wasser schmeckte nach Abgasen. Spätestens jetzt, wo ich schon sechs Stunden in der prallen Sonne gepaddelt bin, machte mir das warme Wasser zu schaffen. Es hatte zwar nur 23-24,5 Grad, aber es fühlte sich richtig heiß an. Hin und wieder durfte ich mich über eine der wenigen kalten Unterströmungen aus der Tiefe erfreuen. Als meine Zug-Frequenz wieder absankt, sprang Björn für ein paar Meter wieder zu mir ins Wasser, was mich tatsächlich zu einem schneller Schwimmen motivierte.

 

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Fast bis zum Schluss hatte auch mein Ernährungsplan sehr gut funktioniert (Flüssignahrung aus Kohlenhydrat-Eiweiß-Gemisch). Aber der Umstieg auf Red Bull und Cola kurz vorm Ziel war keine gute Idee. Entgegen meinen bisherigen Erfahrungen konnte mein Körper diese Energie nicht mehr aufnehmen und meine Leistung ist in der letzten Stunde arg eingebrochen. Zu guter Letzt ereilte mich an der letzten Verpflegungspause noch ein heftiger Krampf im Oberschenkel, den ich jedoch bis zum Ziel wieder rausschwimmen konnte. Ich krabbelte über den Kiesstrand an Land. Hierbei bekam ich den nächsten Krampf, weshalb die Siegerpose recht kurz ausfiel und ich schnell wieder ins tragende Wasser zurück wollte. Die Zielzeit wurde letztlich mit 7.29.24 h festgehalten – eine ganze Minute langsamer als Thomas – und das bei 22 km…

 

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Der Einstieg zurück ins Boot war dann nochmal eine Herausforderung – die Leiter war extrem kurz und mit Krampf im Bein fast nicht zu meistern. Im Boot angekommen nahm ich die herzlichen Glückwünsche der Crew entgegen und wir düsten zurück zum Hafen in Langenargen.

 

 

 

 

 

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Dort angekommen schaffte ich es grad so an Land und musste mich erstmal in den Schatten setzen – jetzt schlug der Sonnenstich heftig zu. Die Crew musste somit das Boot allein an Land bringen.

 

Auch beim Abschiedsessen mit Björn und Observer Oli war mir nicht zum Feiern zumute. Leider bekam ich auch überhaupt nichts runter, stattdessen sehnte ich mich nach meiner Isomatte im Zeltanhänger auf dem Campingplatz. Der Abend und die Nacht waren nicht angenehm. Das Schwimmen hat mich gar nicht so mitgenommen, sondern es war die Sonne. Auch am nächsten Tag spürte ich erfreulicherweise keinerlei Schmerzen in den Armen und Beinen – kein Vergleich zum Zürichsee-Schwimmen im letzten Jahr, wo ich danach vor Schmerzen nicht schlafen konnte. Dies lässt mich zuversichtlich auf mein nächstes Saison-Highlight – die doppelte Fehmarn-Beltquerung – blicken, wo ich 40-50 km (je nach Strömung) schwimmend zurücklegen werde. Sollte ich dies schaffen, wäre ich die erste Frau, die die doppelte Fehmarn-Beltquerung gemeistert hätte. Bis dahin werde ich noch fleißig trainieren und an meiner mentalen Stärke arbeiten.

Mein besonderer Dank gilt Björn Hauptmannl (Swimcadamy) für die Unterstützung bei der Vorbereitung und für die Betreuung vom Boot aus. Ebenso danke ich HEAD Swimming für die Ausrüstung, Oliver Halder (Bodenseequerung) für die gute Organisation sowie natürlich Tobias für jegliche Unterstützung.

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