Long Distance Training auf Mallorca
Conny Prasser ist eine Ultraschwimmerin, die im Eiswasser und Distanzen von über 40 km schwimmt.
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Long Distance Training – Mallorca

Als Vorbereitung für meine Belt- und Bodensee-Querungen nahm ich in der vergangenen Woche am „Channel and Long Distance Camp“ von SwimTrek auf Mallorca teil. Es waren nur wenige Tage, die es aber in sich hatten!

 

Tag 1

Am späten Nachmittag trafen sich alle 15 Camp-Teilnehmer und die drei Guides (Fiona, Cliff und Mike) zum ersten Mal. Die Gruppe war sehr international: die meisten natürlich aus Großbritanien, aber es waren auch Schwimmer aus Australien, Israel, Belgien, Irland und Deutschland dabei.

ich am Strand

Die Hälfte von ihnen wollen dieses Jahr den Ärmelkanal durchschwimmen, andere um die Insel Jersey oder um Manhattan. Becky bereitete sich sogar auf die Dreifachquerung des Ärmelkanals vor. Vielen sah man das Langstreckenschwimmen sofort an. Zwischen all diesen „Schränken“ kam selbst ich mir schmächtig vor…

 

Nach einer sehr ausführlichen Sicherheitseinweisung schwammen wir kurz in der Cala Ferrera. Das Wasser war schon recht warm (ca. 17 Grad).

 

 

Tag 2

Heute gings wieder in die Cala Ferrera. Bei Runden von ca. 800m hatten uns die Guides in den zwei Schlauchbooten immer im Blick. Die Gruppe war sehr homogen,  so dass man eigentlich nie ganz allein schwimmen musste. Ich spielte oft die Lokomotive für einige andere Mädels. Das einstündige Training am Vormittag hatte ich sehr genossen. Im Wasser gab es viel zu sehen – kleine, große und bunte Fische – es wurde nie langweilig!

 

Nach der Mittagspause standen weitere zwei Stunden auf dem Plan. Der Wind frischte auf und drückte leider auch zahlreiche Quallen unterschiedlichster Art in die Bucht. Nach dem ersten Kontakt mit einer von ihnen war ich erstmal geschockt. Auf solche Schmerzen war ich wirklich nicht vorbereitet! Da ich aber wusste, dass die Stiche „nur“ schmerzhaft, aber weder tödlich noch lähmend waren, schwamm ich mit Tränen in der Brille weiter. An ein genussvolles Schwimmen mit guter Technik war nun aber nicht mehr zu denken, da ich permanent Ausschau nach den Quallen halten musste. Fast allen anderen ging es ähnlich. Einige wurden von noch schlimmeren Quallen getroffen, die richtige Striemen auf der Haut hinterließen. Ich selbst hatte nur rote Flecke bekommen.

 

Nacht 1

Am Abend stand noch ein Night-Swim an. Vielen war die Lust darauf vergangen, so dass ich mich zusammen mit nur drei anderen Schwimmern nochmal in die Fluten stürzte. Die Angst vor den Quallen musste ich beiseite schieben, denn im Dunklen sieht man sie eh nicht. Auch wenn es nicht mein erstes Nachtschwimmen war, ist es immer wieder eine Herausforderung. Zum Glück teilte mir Mark erst nach der Rückkehr an Land mit, dass er wieder von einer Qualle gestochen wurde. Im Wasser hätte ich das nicht wissen wollen…

 

 

 

Tag 3

Heute gings mit dem „Mutterschiff“ (ein Segelboot) in die benachbarte Bucht Cala Mitjana. Dort angekommen schwammen wir zunächst drei Stunden in dieser Bucht. In dieser Zeit wurde ich von den Quallen verschohnt. Die Guides hielten uns die zahlreichen Bootsfahrer erfolgreich vom Leib. Fiona versorgte uns fortlaufend mit Nahrung vom Boot aus. Nach einer kurzen Mittagspause auf dem Boot gings für weitere zwei Stunden ins Wasser. Schon in den ersten Minuten wars dann wieder passiert – diesmal schlimmer als anach Schwimmen 1m Vortrag. Mein Schmerzschrei war wohl durch die ganze Bucht zu hören. Cliff eilte schnell mit dem Boot herbei und erkundigte sich nach meinem Befinden. Ich musste mich erstmal „sortieren“, suchte das Mistvieh, aber es war nicht mehr zu sehen. Cliff ermunterte mich, langsam weiter zu schwimmen, was ich dann auch tat. Nach ca. einer Stunde ließen die Schmerzen langsam nach. Nach diesen fünf Stunden waren wir alle schon ganz schön erschöpft. Abends gabs noch ein kleines Seminar mit Tipps fürs Ärmelkanalschwimmen.

 

 

 

Tag 4

auf Beiboot

Zur heutigen Königsetappe fuhren wir mit dem Schiff und den Schlauchbooten in die Bucht Cala Gran. Dort stand das 6-Stunden-Schwimmen auf dem Programm. Hier gab´s zum Glück nur wenige Quallen, die wir gut umschwimmen konnten. Fiona machte das Boot in der Mitte der Bucht fest, wo wir jederzeit hinschwimmen konnten, um uns Nahrung reichen zu lassen. Ich hatte meine eigenes Energy-Getränk dabei, das ich auch bei den Querungen verwenden werde. Der Energienachschub klappte sehr gut, ich habe während des Schwimmens außer ein paar Pfirsichstückchen auch nichts essen müssen. Die Stopps waren entsprechend kurz, was vor allem für die Beltquerung wichtig sein wird, da man bei längeren Pausen sonst zu weit abtreiben würde. Wegen meines kontinuierlichen Schwimmens mit konstant guter Technik und Geschwindigkeit bis zur letzten Stunde wurde ich von Fiona nur noch „the machine“ genannt. Damit kann ich gut leben. Mir wurde es während der sechs Stunden im 17,5 Grad warmen Wasser auch niemals kalt. Auf dem Boot freute ich mich dann aber doch über meinen Wärmemantel.

 

Tag 5

Heute wollten wir eigentlich bei Portopetro schwimmen, was aber wegen des aufkommenden Sturmes nicht möglich war. Deshalb ging es für ein kurzes Ausschwimmen nur in die Haus-Bucht Cala Ferrera. Quallen mögen wohl auch keine Wellen, sie waren jedenfalls verschwunden.

 

Der Rest des Tages stand im Zeichen der Erholung. Fiona gab noch ein Ernährungs-Seminar und alle Guides standen für persönliche Fragen zur Verfügung, was auch rege in Anspruch genommen worden war.

 

Es war insgesamt ein top organisiertes Camp mit ausgezeichneter Betreuung (drei Guides, die alle Ärmelkanal-Erfahrung hatten), das jeden Penny wert war. Eigentlich wollte ich ja niemals den Kanal schwimmen, aber irgendwie bin ich jetzt doch bissl „angefixt“ worden… Auch auf die anderen Schwimmen (Manhattan, Jersey), die bislang nur ganz weit hinten in meinem Kopf herumgeisterten, habe ich Lust bekommen. Es bleibt sicher spannend in den nächsten Jahren!

Zertifikat

 

 

 

 

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