Connys Abenteuer Eismeile
Conny Prasser ist eine Ultraschwimmerin, die im Eiswasser und Distanzen von über 40 km schwimmt.
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Abenteuer Eismeile

 

Zu meinem Abenteuer „Eismeile“ habe ich mich relativ kurzfristig entschieden. Nachdem ich schon mehrfach 1 km im Eiswasser geschwommen war, suchte ich eine neue Herausforderung! Die Eismeile (1,609 km in <5 Grad kaltem Wasser) haben bislang erst zwei deutsche Mädels gefinisht. Das zeigt, dass dies kein Selbstläufer werden sollte…

 

Ich suchte mir daher eine vermeintlich nicht so schwierige Location aus – das 50m-Freibad in Volendam bei Amsterdam. Ich nahm an, dass das Wasser dort nicht soooo arg kalt sein würde, da die Stadt an der holländischen Küste liegt.

Frozen

 

Als ich am Vortrag dort ankam, zeigte das Thermometer 2,8 Grad an. Das war schon heftig und mein Respekt vor der Meile stieg noch mehr. Ich habe zwar tapfer trainiert (was wegen der zugefrorenen Gewässer auch nicht einfach war), aber ich wusste, es würde sehr hart werden. Länger als 22 Minuten war ich noch nie im 3 Grad kalten Wasser…

 

Umso mehr erfreut war ich am nächsten Tag, dass das Wasser durch Wärmeaustausch mit der Schwimmhalle auf ca. 4 Grad erhitzt worden war! Mein Kopf sagte sofort „dann schaffst Du die Meile“, woran ich zuvor zugegebenermaßen hin und wieder zweifelte.

 

Bevor mein Abenteuer begann, gingen drei Männer für ihre Eismeile an den Start. Fergil (holländischer Meister) stieg schon nach weniger als 21 Minuten als Finisher aus dem Pool. Ein weiterer Holländer musste abbrechen und Matthias schaffte seine Meile in 30 Minuten. Es war nicht wirklich erbaulich, mit anzusehen zu müssen, in welchem Zustand diese beiden Jungs in den Aufwärmraum geführt wurden. Aber es nützt nichts, jetzt war ich gemeinsam mit drei anderen Mädels dran.

 

Wir starteten mitten im Pool, da wir ja 32 Bahnen und 9 Meter zu schwimmen hatten. Um möglichst lange krampflos zu bleiben, bin ich sehr ruhig losgeschwommen. Die fliegende Holländerin auf Bahn 3 neben mir war ruckzuck weg und hatte schnell zwei Bahnen Vorsprung, den sie dann bis ins Ziel rettete. Trotz der Dunkelheit konnte ich mich gut orientieren, das Bad war zwar spärlich, aber ausreichend beleuchtet. Mir kam das Wasser allerdings von Anfang an sehr kalt, jedenfalls kälter als 4 Grad, vor. Schon nach 600m verspürte ich eine innerliche Kälte im Oberkörper, die ich noch nie zuvor so vernommen hatte.

 

Bei 800m schoss es mir dann durch den Kopf „nochmal so viel?! – oh Gott! – niemals!“. Ab 1.000m begannen meine Beine trotz Beinschlag schon zu zittern – auch dies hatte ich noch nie zuvor im Wasser erlebt! Dieses Empfinden verschlimmerte sich jedoch nicht, so dass ich spätestens ab 1300m nicht mehr ans Aufgeben gedacht hatte.

 

Im Kopf war ich auch erstaunlich klar geblieben, habe alles um mich herum mitbekommen: die Ansage der geschwommenen Meter durch Tobias, vereinzelte Anfeuerungsrufe von Zuschauern (viele waren ja leider nicht anwesend), das Finish der Holländerin usw. Ich schwamm auch konsequent entlang des schwarzen Striches auf dem Boden und konnte auch die Wenden rechtzeitig erkennen. Ab ca. 1200m schwamm ich zwar nicht mehr richtig „rund“, aber immer noch ausreichend schön und schnell, um nicht durch Rettungskräfte aus dem Wasser geholt zu werden (was Sinne leider widerfahren ist). Ich selbst habe das gar nicht so gemerkt, aber mit dem rechten Arm war wohl von außen kaum noch ein Armzug zu erkennen, teilte man mir nachher mit. So verwunderte es auch nicht, dass am Ende meine 100m-Zeiten auf mehr als 2 min angestiegen waren.

 

Die letzten zwei Bahnen waren dann aber wirklich sehr hart, da hat der Kopf über den Körper gesiegt. Und so schlug ich nach 30.03 min im Ziel an – leider später als erhofft, aber das war und ist mir bis heute egal. Das Finish zählt. Finish

 

Ich schwamm sodann zur Leiter, um dort herauszukrabbeln. Die Holländerin vor mir hatte dabei wohl größere Schwierigkeiten gehabt, so dass nun gefühlt 10 Helfer am Beckenrand auf mich warteten, um mich rauszuziehen und in Empfang zu nehmen. Das war aber gar nicht notwendig, ich bin gut die Leiter hochgekommen und konnte auch fast ohne Hilfe selbständig in den Aufwärmraum laufen. Dort angekommen, wurden mir eine Wärmedecke und mehrere andere Decken umgelegt. Tobias zog mich zudem schnell aus und trocknete mich ab.

 

Und so saß ich dann mehrere Minuten im Sessel und wartete darauf, bis das gröbste Zittern nachließ. Kurze Schrecksekunden gab es noch, als ich einen Krampf im Bauchraum bekam – manch einer dachte an Schlimmeres… Aber auch dies hatte ich vorher schon einmal erlebt und wusste, dass es nur muskulär war. Ich wurde gut von Sanitätern überwacht und umsorgt. Als ich mich stark genug fühlte um aufzustehen, ging ich in die Fasssauna und blieb dort, bis das Zittern vorbei war.

 

Wieder im Hotel angelangt, kam die große Erschöpfung. Ich wollte einfach nur im Bett liegen… Wirklich warm ist es mir bis zum nächsten Tag noch nicht geworden, eine innerliche Kälte durchzog mich die ganze Nacht. Auch in den nächsten Tagen war ich noch sehr erschöpft und hatte Muskelschmerzen im ganzen Oberkörper. Erst nach fünf Tagen war ich wieder relativ schmerzfrei und wieder „hergestellt“.

 

SE mit Mädels

 

Alles in allem ein Abenteuer, das ich (aus heutiger Sicht) auf keinen Fall wiederholen möchte! Aber wie das manchmal so ist – Die Erinnerungen an Schmerzen werden verblassen und wer weiß, wie ich in der nächsten Saison darüber denken werde…

 

Einen ganz lieben Dank möchte ich hiermit meinem Trainer Björn Hauptmannl (SchwimmCampus) aussprechen, der mich zu diesem Erfolg geführt und an mich geglaubt hat. Ebenfalls ein großes Dankeschön an die Dresdner Bäder GmbH, ohne die ich in den letzten Wochen keine Trainingsmöglichkeit gehabt hätte. Und nicht zuletzt natürlich an Tobias, der mich die ganze Zeit unterstützt, begleitet und motiviert hat!

Urkunde

 

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