Weltmeisterschaften Burghausen 2017
Conny Prasser ist eine Ultraschwimmerin, die im Eiswasser und Distanzen von über 40 km schwimmt.
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Weltmeisterschaften Burghausen 2017

Die Ice Swimming World Championships über 1.000m und German Open über die kürzeren Distanzen in Burghausen sollten DAS Highlight meiner Eisschwimmsaison 2016/17 werden! Alles in allem war es dies letztlich auch geworden. Aber der Reihe nach…

Ich war am Mittwochnachmittag angereist, um mich mental und körperlich auf die WM am Freitag vorzubereiten. Gleich nach Ankunft in Burghausen habe ich das Wettkampf-„Becken“ im Wöhrsee getestet und bin ein paar Bahnen geschwommen. Das Wasser fühlte sich gut an, nicht zu kalt. Die Wenden waren wie immer sehr schwierig wegen der schmalen Bahnen und dem glitschigen Holz. Um wenigstens nicht allzu viel Zeit an den Wenden liegen zu lassen, habe ich am Donnerstag im Hallenbad nochmal intensiv Wendentraining absolviert. Auch im Wöhrsee war ich an diesem Tag nochmal geschwommen. Danach und dank des fast konsequent eingehaltenen Trainingsplans der letzten Monate hatte ich eigentlich ein sehr gutes Gefühl für die WM am nächsten Tag.

 

DampfIn der Nacht zu jenem Tag war es bis zu -18 C kalt. Bis zu meinem Start sollte sich die Luft immerhin auf -12 C erwärmen.  Der See dampfte, als wäre er mit heißem Wasser befüllt. Ich schaute mir noch zwei Läufe meiner Konkurrentinnen an und dann musste ich mich auch schon startklar machen. Mein Start wurde ein paar Minuten vorgezogen, so dass es für mich dann doch ganz schön hektisch wurde. Schließlich musste ich mich noch in meinen Wettkampfanzug zwängen. Dann ging es zum Start, die Leitern runter und los. Schon auf den ersten Metern war klar, dass dies nicht das Rennen werden würde, wie ich es mir erhofft hatte. Die kalte Luft setzte mir so sehr zu, dass ich nicht eine einzige Wende ordentlich hinbekommen habe, wie ich sie zuvor trainiert hatte. Statt einer schnellen Kippwende war es wieder: Anschlag-Rumdrehen-Abstoßen- das alles in gefühlter Zeitlupe. Aber auch das eigentliche Schwimmen war nicht das, was ich trainiert hatte. Durch die kalte Luft war mir von Anfang an wirr im Kopf und ich musste mich voll darauf konzentrieren, WOHIN ich schwimme – nicht WIE ich schwimme. Trotzdem waren viele Zick-Zack-Bahnen dabei, auch die eine oder andere Bande war früher da als erwartet…

 

Der Rest des Körpers streikte nicht so sehr wie der Kopf. Anders als sonst krampften die Hände und Arme nicht sehr. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurden die letzten zwei Bahnen angepfiffen und ich schlug sodann nach 16.45 min im Ziel an. Ohne zu wissen, welche Platzierung ich damit genau erreicht hatte, war da schon die Enttäuschung riesig – zum einen über die Zeit (vor vier Wochen war ich an gleicher Stelle 17 sec schneller) und zum anderen in dem Wissen, dass andere wesentlich schneller waren. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich noch an, dass es eine AK 40-49 gibt (so stand es zumindest in der Ausschreibung). Ich wähnte mich somit also wieder auf meinem

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Foto: Roberto Croci

„geliebten“ vierten Platz. Im Sauna-Zelt konnte ich dann meine Enttäuschung auch nicht mehr verbergen. Kathrin, die mich beim Aufwärmen freundlicherweise überwachte und betreute, tat das einzig Richtige – nichts zu sagen. Nach einem Besuch im Saunafass war ich dann körperlich wieder hergestellt. Schon allein um lieb gemeinten aufmunternden Worten vieler Freunde aus dem Weg zu gehen, verlies ich dann das Wettkampfgelände. Später – mental wieder etwas gestärkt – schaute ich mir noch die Männerläufe an. Aber dann wollte ich nur noch ins Hotel. Dort angekommen, rief mich Kerstin an und teilte mir mit, dass entgegen anderer Ankündigung die Siegerehrung der AKs nun in ein paar Minuten am See stattfinden würde, ich den 1. Platz der AK 40-44 erzielt hätte und sofort zurückkommen sollte. Sehr ungläubig lies ich mich also wieder zum See fahren und nahm dort meinen „Pokal“ in Empfang. Leider war bei der Siegerehrung kaum noch jemand anwesend (weder Schwimmer noch Zuschauer), so dass sie abends im Festsaal wiederholt wurde.

 

Am Samstag betreute ich dann Kathrin bei ihren 1.000m. Auch an diesem Tag war es nicht wärmer geworden. Mittags startete ich dann noch über 50m Brust, wo ich meine AK gewonnen hatte, und über 100m Lagen – just for fun. Ich werde wohl nie eine gute Rückenschwimmerin werden… Da aber nur zwei Schwimmerinnen meiner AK über diese Disziplin angetreten waren, wurde ich Zweite. Die geplante Aqua Sphere-Staffel, in der ich 25m schwimmen wollte, kam wegen zweier Ausfälle leider doch nicht zustande.

 

mit BurgiAm Sonntagmorgen standen dann die 500m auf dem Plan. Zwar war die Luft wärmer geworden, dafür waren die Leitern und vor allem die Banden stark vereist, so dass auch an diesem Tag keine Bestleistung für mich raussprang. Mit 8.14 min wurde ich dennoch Erste meiner AK. Über die 200m am Nachmittag wollte ich dann nochmal alles geben.  Mit 3.02 min wurde ich Zweite hinter Sarah.

 

Am Abend trafen wir uns zum Abschluss nochmal alle im Hotelrestaurant und ließen den Tag ausklingen. Es sollte also alles in allem doch ein recht erfolgreiches Wochenende geworden sein.

 

Am Montag entdeckte ich dann zufällig eine weitere Ergebnisliste der WM auf der Seite der IISA. Dort war ich hinter Birna (die zuvor der AK 45 zugeordnet wurde) nur noch als Zweite ausgewiesen. Die Verwirrung und Enttäuschung war riesig, wurde aber am Dienstag noch gesteigert, wo auch diese Liste nochmal geändert wurde und als endgültiges WM-Ergebnis bekannt gegeben wurde: Birna rutschte wieder in AK 45, dafür Sarah von AK 35 in meine AK 40…

 

Am Ende darf ich mich also „nur“ Vize-Weltmeisterin über 1.000m nennen. Das ist natürlich trotzdem erfreulich, aber es wäre schöner gewesen, wenn alles gleich richtig gewertet worden wäre und die richtigen geehrt worden wären – natürlich auch für Sarah. Auf den Tausch der „Pokale“ haben wir letztlich verzichtet und nehmen es mittlerweile mit Humor.

 

Pokale

Ganz lieben Dank an alle, die mich bis und bei diesem Event unterstützt haben, vor allem an Björn Hauptmannl (SchwimmCAMPUS) für die optimal abgestimmten Trainingspläne, an Aqua Sphere für die Ausstattung. sowie an die Dresdner Bäder GmbH, die mir das Freibad Prohlis zu Trainingszwecken zur Verfügung gestellt haben. Lieben Dank natürlich auch an alle Helfer des Events – Ihr habt großartige Leistung vollbracht – und natürlich an das Orga-Team des nahezu perfekt ausgerichteten Wettkampfwochenendes!

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